Krieg und FriedenSergej Lawrow: Zu Inszenierungen als Methode der Politik des Westens

Antworten

Themenersteller
willi uebelherr
Beiträge: 539
Registriert: 26.04.2020, 21:40
Wohnort: Asuncion, Paraguay
Kontaktdaten:

Sergej Lawrow: Zu Inszenierungen als Methode der Politik des Westens

Beitrag von willi uebelherr »

Zu Inszenierungen als Methode der Politik des Westens
Sergej Lawrow, 18.07.2022
https://mid.ru/en/foreign_policy/news/1822333/?lang=de

Liebe Freunde,

ich gebe den deutschen Text des artikels von Herrn Lawrow weiter, den er fuer das Medium "Iswestija" geschrieben hat. Ich bin froh, dass auch Herr Lawrow den verlogenen Charakter der Politik-Akteure des Nato-Blocks nun endlich so nimmt, wie er ist.

mit lieben gruessen, willi
Asuncion, Paraguay


Sergej Lawrow:
Zu Inszenierungen als Methode der Politik des Westens

Heute lösen die Streitkräfte Russlands und die Volksmiliz der Volksrepublik Donezk und Lugansk sicher die Aufgaben im Rahmen der militärischen Sonderoperation, wobei der Stopp der eklatanten Diskriminierung und Genozids der Russen und Beseitigung der von den USA und ihren Satelliten seit mehreren Jahren in der Ukraine schaffenden direkten Bedrohungen für die Sicherheit der Russischen Föderation angestrebt wird. Indem man auf dem Kampffeld verliert, genieren sich das ukrainische Regime und seine westlichen Schutzherren nicht, Inszenierungen auf Blut zu machen, um unser Land in der internationalen öffentlichen Meinung zu dämonisieren. Es waren bereits Butscha, Mariupol, Kramatorsk, Krementschug. Über die Vorbereitung neuer Inszenierungen warnt regelmäßig mit Fakten das russische Verteidigungsministerium.

Provokative Inszenierungen des Westens und seiner Helfershelfer haben einen erkennbaren Stil. Sie begannen nicht in der Ukraine, sondern viel früher.

1999, die serbische Region Kosovo und Metochien, das Dorf Racak. Eine Gruppe der Inspekteure der OSZE trifft an den Ort, wo einige Dutzend Leichen in Kleidung der friedlichen Einwohner entdeckt wurden, ein. Der Chef der Mission spricht sofort, ohne Untersuchung über Genozid-Akt, obwohl solche Schlussfolgerungen nicht zum Mandat eines internationalen Beamten gehören. Die Nato beginnt sofort eine bewaffnete Aggression gegen Jugoslawien, wobei bewusst das Fernsehzentrum, Brücken, Passagierzüge und andere zivile Objekte vernichtet werden. Anschließend stellte sich glaubwürdig heraus, dass nicht friedliche Einwohner, sondern Extremisten der Bandgruppen der „Kosovo-Befreiungsarmee“, die in Zivilkleidung umgezogen waren, getötet wurden. Doch die Inszenierung funktionierte bereits als Vorwand für die erste nach der Unterzeichnung der Schlussakte von Helsinki 1975 illegale Gewaltanwendung gegen einen Teilnehmerstaat der OSZE. Es ist anschaulich, dass der Chef der OSZE-Mission, dessen Erklärung zu einem „Abzugshaken“ für den Beginn der Bombenangriffe wurde, William Walker – der Staatsbürger der USA war. Das Hauptergebnis der Aggression – gewaltsamer Abschnitt Kosovos von Serbien und Schaffung dort des größten US-amerikanischen Stützpunktes auf dem Balkan – Bondsteel.

2003 – der berüchtigte Performance von Colin Powell im UN-Sicherheitsrat mit einem Probierglas mit einem weißen Pulver, das für die ganze Welt als Sporen von Milzbrand, die angeblich im Irak produziert werden, erklärt wurden. Und wieder funktionierte die Inszenierung – Angelsachsen und Co. zerbombten den Irak, der bis heute nicht vollständig seine Staatlichkeit wiederherstellen kann. Die Manipulation wurde schnell entlarvt: Alle gaben zu, dass es im Irak keine biologische Waffe, andere Massenvernichtungswaffe gab. Später gab einer der Inspiratoren der Aggression, der britische Premier Tony Blair die Fäschung zu und sagte so etwas wie – es war ja ein Fehler, das kann mit jedem passieren. Colin Powell rechtfertigte sich später damit, dass er von Sicherheitsdiensten betrogen wurde. Allerdings diente eine weitere inszenierte Provokation als Anlass für die Umsetzung der Pläne zur Zerstörung eines souveränen Landes.

2011, Libyen. Hier gab es eine spezifische Dramaturgie. Bis zu einer direkten Lüge wie im Kosovo und Irak ist es nicht gekommen, dafür aber verzerrte die Nato grob die Resolution des UN-Sicherheitsrats. Diese Resolution stellte die Flugsperrzone über Libyen auf, um die Kampffliegerkräfte von Muammar Gaddafi „an den Boden zu bringen“. Sie flogen auch nicht. Doch die Nato begann einfach damit, die Einheiten der libyschen Armee zu bombardieren, die gegen Terroristen kämpften. Muammar Gaddafi wurde tierisch getötet, von Libyen ist nichts geblieben – man versucht bis heute, es aus Stücken zusammenzubauen, der Prozess wird erneut von einer US-Vertreterin, die durch persönlichen Beschluss des UN-Generalsekretärs ohne jegliche Konsultationen mit dem Sicherheitsrat ernannt wurde, geleitet. Im Rahmen dieses Prozesses wurden von westlichen Kollegen mehrmals zwischenlibysche Vereinbarungen über Wahlen inszeniert, die mit nichts endeten. Libyen bleibt ein Gebiet, wo illegale bewaffnete Einheiten herrschen. Die Mehrheit davon kooperiert eng mit dem Westen.

2014, Februar, Ukraine. Der Westen in Gestalt der Außenministers Deutschlands, Frankreichs und Polens zwingt de facto den Präsidenten Viktor Janukowitsch zur Unterzeichnung eines Abkommens mit der Opposition über die Einstellung der Konfrontation und friedliche Regelung der inneren ukrainischen Krise via Schaffung einer Zwischenregierung der nationalen Einheit und Durchführung der vorgezogenen Wahlen innerhalb von einigen Monaten. Doch auch das erwies sich als Inszenierung – am Morgen veranstaltete die Opposition einen Staatsstreich unter russophoben, rassistischen Mottos, die westlichen Garanten der Vereinbarungen versuchten sogar nicht, sie zur Vernunft zu bringen. Zudem begannen sie sofort, Putschisten in ihrer antirussischer Politik, Entfachung eines Kriegs gegen eigene Bevölkerung, Bombardierungen der Städte von Donezbecken, nur weil man sich dort weigerte, den verfassungswidrigen Staatsstreich anzuerkennen, zu fördern. Die Donbass-Bewohner wurden deswegen für „Terroristen“ erklärt, auch mit Unterstützung des Westens.

Hier muss hervorgehoben werden, dass eine Inszenierung, wie sich bald herausstellte, auch der Mord an Demonstranten auf dem Maidan-Platz war, die Schuld für den vom Westen mal auf die Sicherheitsdienste, die loyal zu Viktor Janukowitsch standen, mal auf russische Sicherheitsdienste gelegt wurde. In der Tat wurde die Provokation von Radikalen aus Opposition, die mit den westlichen Sicherheitsdiensten eng kooperierten, organisiert. Die Fakten wurden bald aufgedeckt, doch es funktionierte bereits.

Als der Krieg im Donezbecken gestoppt wurde, dank Anstrengungen Russlands, Deutschlands und Frankreichs im Februar 2015, wurden zwischen Kiew, Donezk und Lugansk die Minsker Abkommen abgeschlossen, hier gingen auch Berlin und Paris aktiv vor, indem sie sich stolz als die Garanten dafür erklärten. Doch in den weiteren langen sieben Jahren taten sie nichts, um Kiew dazu zu bewegen – wie das die Minsker Abkommen vorsahen, die durch den UN-Sicherheitsrat einstimmig gebilligt wurden – auf einen direkten Dialog mit Vertretern von Donezbeckens zur Abstimmung der Fragen seines Sonderstatus, Amnestie, Wiederherstellung der Wirtschaftsverbindungen, Durchführung der Wahlen einzugehen. Die westlichen Anführer schwiegen auch, als Kiew – sowohl unter Pjotr Poroschenko, als auch unter Wladimir Selenski – Schritte unternahm, die den Minsker Abkommen direkt widersprechen. Zudem sagten Deutsche und Franzosen, dass ein direkter Dialog Kiews mit den Volksrepubliken Donezk und Lugansk unmöglich ist, wobei die ganze Verantwortung auf Russland abgewälzt wurde, obwohl es in den Minsker Abkommen kein einziges Mal erwähnt ist, und in diesen Jahren forderte es de facto alleine ihre Erfüllung.

Wenn jemand Zweifel hatte, dass die Minsker Abkommen eine weitere Inszenierung waren, wurden sie von Pjotr Poroschenko zerpflückt, der am 17. Juni 2022 sagte: „Die Minsker Abkommen bedeuteten für uns nichts, wir hatten nicht vor, sie zu erfüllen… unsere Aufgabe war, die Bedrohung zu entfernen… die Zeit zu gewinnen, um das Wirtschaftswachstum wiederherzustellen und die Stärke der Streitkräfte der Ukraine aufzubauen. Die Aufgabe wurde erreicht. Die Minsker Abkommen erfüllten ihre Aufgabe“. Den Preis dieser Inszenierung zahlt bis heute das ukrainische Volk, das der Westen seit vielen Jahren dazu zwang, sich mit dem Leben unter Druck des russophoben neonazistischen Regimes abzufinden. Und wenn Olaf Scholz jetzt von Russland fordert, auf ein Abkommen über Garantien der territorialen Integrität und Souveränität der Ukraine einzugehen, dann macht er das umsonst. Ein solches Abkommen gab es bereits – die Minsker Abkommen, die gerade von Berlin mit Paris begraben wurden, als man Kiew reinzuwaschen versuchte, das sich offen weigerte, sie zu erfüllen. So endete die Inszenierung.

Wladimir Selenski ist übrigens ein würdevoller Nachfolger von Pjotr Poroschenko, auf einer Kundgebung vor den Wahlen am Anfang 2019 war er bereit, sich spektakulär vor ihm auf die Knien zu stellen, damit der Krieg endet.

Im Dezember desselben Jahres bekam er selbst die Gelegenheit, die Minsker Vereinbarungen zu erfüllen – in Paris fand der Normandie-Gipfel statt, wo er sich in einer auf höchster Ebene angenommenen Erklärung verpflichtete, die Fragen über den Sonderstatus von Donezbecken zu lösen. Natürlich machte er nichts davon, und Berlin und Paris schützten ihn erneut. Ein weiteres angepriesenes Dokument erwies sich nichts mehr als eine ukrainisch-westliche Inszenierung – genau im Sinne der Logik von Pjotr Poroschenko – um die Zeit zum Aufpumpen des Kiewer Regimes mit Waffen zu gewinnen.

Es gab noch Syrien. Nach der Umsetzung des etappenweisen Abkommens von 2013 über die Vernichtung der syrischen Chemiewaffen, die durch die OPCW bestätigt wurde, wofür sie den Friedensnobelpreis bekam, wurden 2017 und 2018 eklatante Provokationen via Inszenierung des Chemiewaffeneinsatzes in Chan-Scheichun und einem Vorort von Damaskus – Duma - organisiert. Es wurden Videos verbreitet, wo Menschen, die sich „Weiße Helme“ nennen (sie erklärten sich zu einer humanitären Organisation, tauchten aber nie auf dem Territorium, das von der Regierung Syriens kontrolliert wird, auf), Hilfe für die sich angeblich vergifteten Einwohnern leisten, wobei niemand Schutzkleidung bzw. – Accessoires trägt. Alle Versuche, das Technische Sekretariat der OPCW dazu zu zwingen, seine Verpflichtungen gewissenhaft zu erfüllen und einen transparenten Prozess der Untersuchung der Vorfälle zu organisieren, wie es die Chemiewaffenkonvention erfordert, scheiterten. Das ist auch nicht erstaunlich: das Technische Sekretariat ist seit langem durch die westlichen Länder „privatisiert“, deren Vertreter dort Schlüsselpositionen einnehmen. Sie waren gerade an der Organisierung der erwähnten Inszenierungen beteiligt, wobei sie als Vorwand für Raketen- und Bombenangriffe durch die USA, Großbritannien und Frankreich gegen Syrien genutzt wurden – einen Tag, bevor dort auf unser Betreiben zur Untersuchung der Vorfälle eine Gruppe der OPCW-Inspekteure, der Beschluss über deren Entsendung durch den Westen vehement gestört wurde, eintraf.

Die Fähigkeiten des Westens und des Technischen Sekretariats der OPCW, das eine Rolle eines Helfers spielt, Inszenierungen zu organisieren, zeigten sich auch in den Situationen mit „Vergiftung“ von den Skripals und Alexej Nawalny. In den beiden Fällen bleiben zahlreiche Anfragen, die von der russischen Seite offiziell in Den Haag, London, Berlin, Paris, Stockholm geschickt wurden, ohne Antwort, obwohl diese Anfragen in vollständiger Übereinstimmung mit den Forderungen der Chemiewaffenkonvention formuliert wurden und beantwortet werden sollen.

Genau so soll man auf die Fragen über die verdeckte Tätigkeit, mit der sich das Pentagon (via seine Agentur zur Verringerung der Bedrohung) in der Ukraine befasste. Die „Funde“ der Kräfte der militärischen Sonderoperation in militärbiologischen Laboren in den befreiten Gebieten von Donezbecken und anliegenden Gebieten verweisen eindeutig auf direkte Verletzungen der Chemiewaffenkonvention. Die Dokumente wurden von uns Washington und dem UN-Sicherheitsrat vorgelegt. Es wurde das Verfahren zum Erhalt der Erklärungen gemäß der Chemiewaffenkonvention aufgenommen. Trotz Fakten versucht die US-Administration sich zu rechtfertigen, wobei gesagt wird, dass alle biologischen Studien in der Ukraine ausschließlich friedlichen, zivilen Charakter hatten. Dabei gibt es keine Beweise.

In einem breiteren Sinne erfordert die militärbiologische Tätigkeit des Pentagons in der ganzen Welt, insbesondere im postsowjetsichen Raum sehr große Aufmerksamkeit im Lichte der sich mehrenden Beweise der Durchführung der verbrecherischen Experimente unter einer „friedlichen“ Deckung mit hochgefährlichen Pathogenen zur Schaffung biologischer Waffe.

Über Inszenierungen der „Verbrechen“ der Aufständischen von Donezbecken und Teilnehmer der russischen militärischen Sonderoperation wurde bereits oben gesagt. Davon, wie der Preis für diese Vorwürfe ist, zeugt ein einfacher Fakt – als in der ganzen Welt die „Tragödie von Butscha“ am Anfang April 2022 gezeigt wurde (es gibt Verdächtigungen, dass sich an der „Gestaltung der Bühnenbilder“ Angelsachsen beteiligten), antworten der Westen und Kiew bislang nicht auf einfache Fragen darüber, ob die Namen der Toten festgestellt wurden und wie die Ergebnisse der anatom-pathologischen Untersuchung sind. Wie auch in den oben beschriebenen Fällen mit den Skripals und Nawalny fand die propagandistische „Premiere“ der Inszenierung in den westlichen Medien statt, nun sind alle Spuren verschwunden, weil es nichts zu sagen gibt.

Darin besteht der ganze Sinn des Algorithmus der westlichen Politik: Ein Informations-Fake zusammenbasteln, es zu einer globalen Katastrophe innerhalb von zwei bzw. drei Tagen entfachen, wobei der Zugang zu alternativen Angaben und Einschätzungen für die Bevölkerung gesperrt wird, und wenn Fakten jedoch ans Licht kommen – werden sie einfach ignoriert, im besten Fall – in den Nachrichten in Kleindruck angegeben. Es ist wichtig zu verstehen – es sind keine schadlosen Spielzeuge im Medienkrieg, weil solche Inszenierungen direkt als Vorwand für ziemlich materielle Handlungen genutzt werden: Bestrafung der „angeklagten“ Länder mit Sanktionen, Umsetzung der barbarischen Aggressionen gegen sie mit hunderten Tausend Zivilopfern, wie es unter anderem im Irak und Libyen war. Oder wir im Fall Ukraine – zu ihrer Nutzung als Verbrauchsmaterial im Krieg des Westens gegen Russland. Dabei leiten Nato-Instrukteure und Richtschützen der Mehrfachraketenwerfer wohl die Handlungen der Streitkräfte der Ukraine und nationalen Bataillone unmittelbar auf dem Boden. Ich hoffe, dass unter Europäern verantwortungsvolle Politiker geblieben sind, die begreifen, welche Folgen das nach sich ziehen kann. In diesem Zusammenhang ist es bemerkenswert, dass niemand in der Nato und EU dem Kommandeur der deutschen Luftwaffe, Ingo Gerhartz, der nicht gemäß seinem Amt zu weit weg ging, auf seinen Platz hingewiesen hat, der über die Notwendigkeit sagte, sich auf den Einsatz von Atomwaffen vorzubereiten, und hinzufügte: „Putin, leg dich nicht mit uns an!“. Das Schweigen Europas führt zu dem Gedanken, dass es die Rolle Deutschlands in seiner Geschichte vergisst.

Wenn man die heutigen Ereignisse unter historischem Blickwinkel betrachtet, erscheint die ganze ukrainische Krise als ein großes Spiel nach einem Szenario, das einst von Zbigniew Brzezinski vorgeschlagen worden war. Die Gespräche über gute Beziehungen, die Bereitschaft des Westens, die Rechte und Interessen der Russen, die sich nach dem Zerfall der Sowjetunion in der unabhängigen Ukraine und in anderen postsowjetischen Staaten erwiesen, waren nichts mehr als Inszenierung. Bereits zu Beginn der 2000er-Jahre forderten Washington und die EU offen von Kiew, sich zu entscheiden, mit wem es ist: mit dem Westen oder mit Russland?

Seit 2014 leitet der Westen eindeutig das von ihm via Staatsstreich an die Macht gebrachte russophobe Regime. Das Bringen von Wladimir Selenski auf die Bühne eines mehr oder weniger bedeutenden internationalen Forums – das ist auch ein Teil der Inszenierung. Er tritt auf, hält pathetische Reden, und wenn plötzlich etwas vernünftiges vorschlägt, wird er an die Hände geschlagen, wie es nach der Runde der russisch-ukrainischen Verhandlungen in Istanbul war – damals – Ende März – war wohl das Licht im Dialog zu bemerken, doch Kiew wurde gezwungen, sich zurückzuziehen, wobei unter anderem eine offen inszenierte Episode in Butscha genutzt wurde. In Washington, London, Brüssel forderte man von Kiew, keine Verhandlungen mit Russland aufzunehmen, bis die Ukraine einen vollständigen militärischen Vorteil bekommt (besonders aktiv war der ehemalige britische Premier Boris Johnson, zusammen mit ihm auch viele noch amtierende westliche Politiker, die ähnliche Inadäquatheit zeigten).

Die Erklärung des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell darüber, dass der Konflikt mit dem „Sieg der Ukraine auf dem Schlachtfeld“ enden soll, führt zu dem Gedanken, dass auch ein solches Instrument wie Diplomatie in der „schauspielerischen Darlegung“ der EU den Sinn verliert.

In einem breiteren Sinne ist es interessant zu beobachten, wie Europa, das von Washington an der antirussischen Front geleitet wird, mehr als Andere an unvernünftigen Sanktionen leidet, seine Arsenale verwüstet, wobei an Kiew Waffen geliefert werden, indem der eigene Markt für den Kauf weiterer Rüstungserzeugnisse der USA und teuren US-amerikanischen Flüssiggas statt günstigen russischen Gas frei gemacht wird. Solche Tendenzen zusammen mit dem praktischen Zusammenschmelzen der EU mit der Nato machen die noch zu hörenden Gespräche über „strategische Autonomie“ der EU nichts mehr als ein Spektakel. Alle verstanden bereits: Die Außenpolitik des „kollektiven Westens“ ist ein „Theater mit nur einem Schauspieler“. Dabei führt sie kontinuierlich zur Suche nach immer neuen Schauplätzen von Kriegshandlungen.

Ein Teil des geopolitischen Gambits gegen Russland – Gewährung der Ukraine und Moldawien (das wohl ebenfalls das wenig beneidenswerte Schicksal erwartet) eines Statuses des ewigen Kandidaten für EU-Mitgliedschaft. Inzwischen wird die von Frankreichs Staatschef initiierte „europäische politische Gemeinschaft“ angepriesen, wo es keine besonderen finanzwirtschaftlichen Güter geben wird, dafür aber die Forderungen einer vollständigen Solidarität mit der EU in ihren antirussischen Handlungen. Hier gibt es schon nicht das „Entweder-Oder“-Prinzip, sondern das Prinzip - „Wer nicht mit uns ist, der ist gegen uns“. Was es für „Gemeinschaft“ ist, wurde von Emmanuel Macron selbst erklärt: Die EU lädt alle europäischen Länder zum Beitritt ein – „von Island bis zur Ukraine“, aber nicht Russland. Ich würde sofort sagen, dass wir es auch nicht brauchen, doch anschaulich ist die Erklärung selbst, die das Wesen dieser im Voraus konfrontativen, spaltenden Idee aufdeckt.

Die Ukraine, Moldawien, andere Länder, mit denen die EU heute kokettiert, würden Statisten in den Spielen des Westens bleiben. Die USA als Hauptproduzent dieser Inszenierungen bestellen die Musik und das Sujet, auf deren Grundlage in Europa das Szenario geschrieben wird. Die Schauspieler sind bereit, sie haben bereits Fertigkeiten, die noch im „Quartal 95“ erhalten wurden, sie können auch pathetische Texte nicht schlechter als die in Vergessenheit geratene Greta Thunberg vorlesen, und Musikinstrumente spielen, wenn es notwendig sein wird. Die Schauspieler sind gut: Уrinnern sie sich daran, wie Wladimir Selenski überzeugend einen Demokraten im „Diener des Volkes“, Kämpfer gegen Korruption, gegen Diskriminierung der Russen und Kämpfer für alles Gute spielte. Erinnern Sie sich daran und ziehen Sie einen Vergleich zu dem, wie er sich im Präsidentenamt rapide nach dem Stanislawski-System änderte: Verbote der russischen Sprache, Bildung, Medien, Kultur. „Wenn sie sich als Russen fühlen, sollen sie wegen ihrer Kinder und Enkelkinder nach Russland gehen“. Ein guter Ratschlag. Die Donbass-Einwohner nannte er nicht Menschen, sondern „Einzelwesen“. Über das nazistische Bataillon „Asow“ sagte er: „Sie sind so, wie sie sind. Wir haben viele von diesen“. Sogar CNN genierte sich, diese Phrase in dem Interview zu belassen.

Es stellt sich die Frage: Wie wird die Lösung aller diesen Sujetlinien sein? Denn in der Tat sind die Inszenierungen an dem Blut und den Schmerzen von Menschen überhaupt kein Spiel, sondern ein Zeichen der zynischen Politik zur Schaffung einer neuen Realität, in der man alle Prinzipien der UN-Charta und Völkerrechtsnormen mit eigener „Ordnung“, die auf eigenen „Regeln“ beruht, ersetzen will, indem man die schwindende Dominanz in globalen Angelegenheiten verewigen will.

Am zerstörerischsten für die heutigen internationaleт Beziehungen waren die Spiele, die vom Westen in der OSZE im Zusammenhang mit dem Ende des Kalten Kriegs aufgenommen wurden, in dem er sich als Sieger titulierte. Als die USA und ihre Verbündeten ihre Versprechen gegenüber der Führung der Sowjetunion und Russlands über die Nichterweiterung der Nato gen Osten rasch verletzten, sprachen sie allerdings von der Anhänglichkeit an den Aufbau eines einheitlichen Sicherheits- und Kooperationsraums im Euroatlantik und setzten ihre Unterschrift auf der höchsten Ebene – 1999 und 2010 – unter einer politischen Verpflichtung, eine gleiche und unteilbare Sicherheit zu gewährleisten, wenn niemand die eigene Sicherheit auf Kosten anderer festigen und keine Organisation eine dominierende Rolle in Europa beanspruchen wird. Bald wurde klar, dass sich die Nato nicht an ihr Wort hält, als der Kurs auf die Oberherrschaft der Nato genommen wurde. Doch auch damals setzten wir diplomatische Anstrengungen fort, als ihnen vorgeschlagen wurde, dasselbe Prinzip der gleichen und unteilbaren Sicherheit festzulegen, aber bereits in einem juridisch verbindlichen Vertrag. Es wurde mehrmals vorgeschlagen, letztes Mal im Dezember 2021. Als Antwort – kategorischer Verzicht. Es wurde direkt gesagt – es wird keine juridisch verbindlicheт Garantien außerhalb der Nato geben. Also die Unterstützung der politischen Dokumente, die auf den Gipfeln in der OSZE angenommen wurden, erwies sich als billige Inszenierung. Und jetzt ging die Nato unter Führung der USA noch weiter – sie fordert die Unterordnung nicht nur des Euroatlantiks, sondern auch der ganzen Asien-Pazifik-Region. Die Nato verheimlicht nicht den Hauptadressat seiner Bedrohungen, die Führung Chinas verbreitete bereits eine prinzipielle Einschätzung solcher neokolonialer Ambitionen. Peking setzte das von ihm erwähnte Prinzip der Unteilbarkeit der Sicherheit entgegen, sprach sich für seine Anwendung im globalen Ausmaß, damit niemand in der Welt seine Ausschließlichkeit beansprucht. Solches Herangehen stimmt vollständig mit der Position Russlands überein. Wir werden es zusammen mit Verbündeten, strategischen Partnern und vielen anderen Gleichgesinnten kontinuierlich verteidigen.

Der kollektive Westen sollte aus der Welt der Illusionen auf den Boden zurückkehren. Die Inszenierungen, egal wie lange sie fortgesetzt werden, werden nicht aufgehen. Man sollte fair, nicht nach manipulierten Regeln, sondern auf Grundlage des Völkerrechts spielen. Je früher alle die Alternativlosigkeit der objektiven historischen Prozesse der Bildung einer multipolaren Welt auf Grundlage des Respekts der grundlegenden Prinzips der UN-Charta und der ganzen Weltordnung über die souveräne Gleichheit der Staaten begreifen, desto besser wird es sein.

Wenn die Mitglieder der westlichen Allianz nicht nach diesem Prinzip leben können, nicht bereit sind, eine wirklich universelle Architektur der gleichen Sicherheit und Zusammenarbeit aufzubauen, mögen sie alle anderen in Ruhe lassen, damit aufhören, in ihr Lager mit Drohungen und Erpressung jene zu treiben, die nach einem eigenem Kopf leben wollen, mögen sie für selbstständige Länder, die sich selbst respektieren, das Recht auf die Freiheit der Wahl anerkennen. Das ist gerade Demokratie – in der Realität, und nicht in politischen Spielen.

Antworten

Zurück zu „Krieg und Frieden“