Kultur und Kabarett / Humor und IronieTino Eisbrenner und Indianer

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Guido
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Tino Eisbrenner und Indianer

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Auszug aus dem Artikel

Gojko Mitic & Tino Eisbrenner: Indianische Weisheiten aus erster Hand


DEFA-Chefindianer Gojko Mitic war für Sänger Tino Eisbrenner der Held seiner Kindheit. Jetzt haben das Idol und sein größter Fan gemeinsam das Hörbuch "Was ist das Leben" produziert. Und SUPERillu ein Doppel-Interview gewährt.

Herr Eisbrenner, warum wollten Sie unbedingt mit Gojko Mitic zusammenarbeiten?
Tino Eisbrenner: Weil er er schon seit frühester Kindheit mein Idol ist... Ich habe mit 5 meinen ersten ndianerfilm gesehen – »Chingachgook, die Große Schlange«. Damit fing alles an und ich war angeknippst. Von da war ich Indianer und bin geistig mit Gojko durch die Prärie geritten und habe angefangen jeden Zeitungsschnipsel über Gojko zu sammeln und die Geschichten nachzuerzählen und aufzuschreiben. Im Kino musste ich sogar schwindeln, weil man da eigentlich erst mit 6 rein durfte. Aber ich wollte den Film unbedingt sehen. Mit sieben bin ich dann mit meinen Eltern nach Bulgarien »verschleppt« worden. Wir haben dort drei Jahre gelebt. Dort sind ja viele Indianerfilme gedreht worden. Das heißt, ich befand mich permanent in diesen Indianerfilm-Kulissen. Und das war toll!
Gojko Mitic: Er war total indianisiert. (lacht)
Tino Eisbrenner: Nach der Wende habe ich mich dann wieder auf meine Indianer-Kindheit besonnen und bin nach Südamerika gereist um richtige Indianerstämme zu besuchen. Da war ich dann in Nicaragua, Mexiko, Chile und habe verschiedene Indianerstämme besucht. Seitdem habe ich einige Indianer-Projekte initiiert.
Und wie haben Sie beide zueinander gefunden?
Tino Eisbrenner: Mir kam irgendwann die Idee eine Platte mit indianischen Gedanken zu machen. Da habe ich eine Platte mit einem mexikanischen Indianer produziert, der auch Deutsch sprach. Der hatte indianische Geschichten gesammelt und zur Musik von mir und einem anderen Produzenten eingesprochen. Das Problem war aber, dass der kein schauspielerisches bzw. rhetorisches Talent hatte. Da ist mir klar geworden, dass wir für die Sache einen Profi brauchen. Da war der naheliegendste Gedanke Gojko Mitic zu fragen, ob er Lust dazu hätte.
Und als Kind sind Sie Gojko Mitic nie über den Weg gelaufen?
Tino Eisbrenner: Nein, das hatte sich leider nie ergeben. Seine öffentlichen Auftritte waren ja eher selten. Und als ich dann selber in der Künstlerszene der DDR aktiv war, habe ich ihn auf Veranstaltungen auch nie getroffen. Das war komisch, denn seine Indianerfilmkollegen habe ich kennen gelernt – nur ihn nicht. Erst als ich ihn wegen dem Projekt angerufen hatte, lernten wir uns endlich kennen. Und als wir dann zusammen arbeiteten, sind wir uns dann zweimal zufällig über den Weg gelaufen.
Waren Sie gleich begeistert von Tino Eisbrenners Idee?
Gojko Mitic: Ich habe die Indianer für ihre Geschichten und Weisheiten immer bewundert. Deshalb war da von meiner Seite sofort Interesse da, so eine CD zu produzieren. Ich finde es toll, dieses Sachen vielen Menschen zugänglich zu machen. Und die Frage aufzuwerfen: »Was ist eigentlich wichtig im Leben?«
Drei Worte zur CD?
Gojko Mitic: Es ist ein Hörbuch mit passender Instrumentalmusik. Die Musik hat Tino mit seinem Gitarristen Andre Drechsler zusammen komponiert. Als ich die Texte eingesprochen habe, hatte ich die Musik schon im Ohr – und ich hab dann improvisiert und die Texte darauf gesprochen. Ich habe versucht die Texte so zu interpretieren wie ich sie fühle. Tino saß während dessen in meinen Regiestuhl, hat zugehört und mir Anweisungen gegeben. (lacht)
Das ganze ist in meinem »Spezialatelier« entstanden. (beide kichern)
Ja, und was meinen Sie mit Ihrem »Spezialatelier«?
Gojko Mitic: Meine Sauna im Haus. Das ging super dort. Weil die toll isoliert ist. Das ist eine Sprecherkabine par excellence! Ich saß dann in der Sauna und hab die Texte eingesprochen.
Wie lange habt ihr für die CD gebraucht?
Tino Eisbrenner: Gojko war ziemlich flott. Das Einsprechen war an zwei Tagen erledigt. An der Musik haben wir dann noch einige Wochen gefeilt.
Woher stammen die Texte eigentlich?
Tino Eisbrenner: Das sind alles gesammelte traditionelle indianische Texte, von verschiedenen nordamerikanischen Indianern.
Gojko Mitic: Das ist ein schöner Querschnitt von Alltags-, Natur- und zwischenmenschlichen Geschichten. Jeder Text enthält eine Botschaft. Man muss sich aber wirklich Zeit nehmen, die CD zu hören. Das geht nicht so nebenbei. Die Musik ist auch perfekt zu jedem Text abgestimmt. Dazu kann man auch schön meditieren.
Tino Eisbrenner: Dass die Platte so gut geworden ist, liegt aber auch am Sprecher. Es war uns wichtig, dass wir jemanden finden, der die Texte authentisch transportiert. Und dass Gojko auch noch ein Sympathieträger ist, war natürlich obendrein noch ein Bonus. Wir haben aber auch bewusst darauf geachtet, dass sich die CD nicht nur an Gojko- und Indianerfans richtet – sondern an jeden.
Gojko Mitic: Ich finde, dass ist echt eine schöne Sache. Vor allem weil es so etwas noch nicht gibt. Viele Menschen kennen solche Indianertexte nicht - Geschichten, Aphorismen. Aber da steckt so viel Weisheit drin.
Tino Eisbrenner: Die CD beginnt so: „Großer Geist, bewahre mich davor jemanden zu verurteilen, bevor ich nicht mindestens eine Meile in seinen Mokassins gegangen bin.“ Das stammt von einem großen Apachen-Krieger – und er hat vollkommen recht. Die CD bietet richtige Kopfnahrung – und dazu Unterhaltung und Entspannung. Sie bringt sie zum Nachdenken und sie werden geerdet. Die europäische Zivilisation ist ja schon vom Boden abgehoben. Wir haben ja total die Spiritualität verlernt – verstehen uns nicht als Baustein der Natur und haben unsere Demut vor der Natur verloren. Wir sind oft orientierungslos und wissen nicht wohin mit uns.
Gojko Mitic: In den Gedanken steckt so viel Demut drin. Das hat mich schon immer fasziniert. Als ich klein war und die John Wayne Filme gesehen habe, wollte ich nur zu den guten Cowboys gehören. Die Indianer wurden uns ja als böse Rothäute verkauft. Meine Meinung hat sich aber grundlegend geändert, als ich »Die Söhne der großen Bärin« gelesen habe. Die hatte ja mit den Indianern gelebt. Von da an wollte ich noch mehr über Indianer erfahren – wie sie leben, was sie denken, was steckt dahinter...
Susanne Groth
Fotos: Kowalski


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